Was ist nun eigentlich ein Kunstherz

Immer wieder begegnet mir die Frage, was ich denn da mit mir rumschleppe. Die häufigste Vermutung ist, es könnte ein DauerEKG oder ein Dauerblutdruckmessgerät sein. Mit der Antwort Herzunterstützungssystem oder Kunstherz kann kaum jemand etwas anfangen, auch ich hatte bis kurz vor meiner Operation nichts davon gehört. Deshalb will ich hier ein wenig ausführlicher darauf eingehen, ohne jedoch zu tief in das Thema einzudringen. Jeden, der gerne noch mehr lesen und sehen will, verweise ich auf diese Wiki-Seite. Hier findet man weiterführende Informationen.

Dem Einsetzen eines Kunstherzens geht immer eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) voraus, die verschiedene Ursachen haben kann. Bei mir war es, wie schon erwähnt, ein Herzinfarkt. Häufig wird die linke Herzhälfte geschädigt. Diese ist für den „großen“ Blutkreislauf zuständig, also z. B. Organe wie Leber und Niere, ohne deren zuverlässiger Arbeit ein Mensch nicht überleben kann.

Seltener ist eine Schädigung der rechten Herzhälfte, die für den „kleinen“ Blutkreislauf, also Herz-Lunge, zuständig ist. Auch hier kann man ein Unterstützungssystem implantieren.

Konkret ist das Kunstherz eine kleine Pumpe, die die Herzfunktion (bei mir linksseitig) unterstützt bzw.
übernimmt. So wie in dem Bild sieht sie aus. Hier ist das heartmate II zu sehen, das auch bei mir arbeitet. Durch den Vergleich mit der Hand kann man die Größe abschätzen.

Die Funktion ist eigentlich ganz einfach: Auf der einen Seite wird Blut angesaugt, auf der Anderen wieder rausgedrückt, im Prinzip wie eine Gartenpumpe, nur eben in absoluter HighTec mit speziellen Anforderungen! Und auch der „Einbau“ ist durchaus nicht einfach und erfordert erfahrene Chirurgen. Die Analogie geht in gewisser Weise noch weiter: Da das Kunstherz einen stetigen gleichmäßigen Blutfluss in Gang setzt, fehlt der Puls und deswegen auch der Blutdruck. Da aber ja die andere Herzhälfte noch einigermaßen arbeitet, ist der Puls und der Druck nicht komplett weg, kann aber oft nur mit speziellen Hilfsgeräten gemessen werden.

Jetzt können auch häufig gestellte Fragen beantwortet werden: Das Kunstherz läuft nicht nachts im „Schlafmodus“ und hat auch keinen „Leistungsmodus“. Ebenso ist es nicht möglich, das Ganze einfach wieder abzunehmen, irgendwann. Also: rund um die Uhr, Tag und Nacht, vierundzwanzig Stunden am Tag und Jahr für Jahr! Nur wenn sich, wie in ganz seltenen Fällen, das Herz wieder einigermaßen erholt, kann man über eine Entnahme nachdenken.

Wie und wo nun das Unterstützungssystem implantiert wird, zeigt das nebenstehende Bild. Das Kunstherz liegt im Brustraum und die Driveline (Kabelverbindung für Strom und Überwachung) befindet sich zum Teil innerhalb des Brustkorbs, am Brustbein entlang, und tritt etwa in Höhe des Bauchnabels wieder aus. Das heißt aber natürlich auch, ein Wechsel das Kabels ist unmöglich, es gibt keinen Stecker, außer dem, der mit dem Steuergerät verbunden ist. Das Steuergerät kann daher im Fehlerfall gewechselt werden. Fällt jedoch das Kunstherz aus wird es „eng“! Im Bild ist übrigens noch das alte Steuergerät zu sehen, das inzwischen eine andere Form hat, was aber an der Funktion nichts ändert.

Inzwischen ist die Entwicklung nicht stehen geblieben, und es gibt ein heartmate III, technisch ausgefeilter und ein wenig kleiner. Nur nebenbei erwähnt, es gibt auch andere Hersteller von Kunstherzen, die Funktion ist allerdings ähnlich. Dass ich ausführlicher auf das heartmate eingehe, liegt einfach daran, dass bei mir so eines arbeitet, und ich ja darüber berichte, wie ich mein Leben mit eben diesem gestalte.

Einen Punkt will ich noch herausstellen: Die Austrittsstelle der Driveline (also da, wo das Kabel von „innen nach außen“ geht) muss peinlich sauber gehalten werden, das ist ohne Übertreibung lebensnotwendig. Bakterien oder Keime an dieser Stelle sind sehr problematisch! Daher bin ich froh, dass meine Frau den Verbandwechsel macht, sie macht das sehr zuverlässig und sauber.

Etwas ist doch noch. Um zu verhindern, dass sich Thrombosen, also Blutpfropfen bilden, die dann auch das Kunstherz beeinträchtigen, ist die Einnahme von Gerinnungshemmern (geläufiger als Blutverdünner bezeichnet) notwendig. Die heruntergesetzte Blutgerinnung bedeutet aber auch, bloß nicht verletzen, Blutungen sind nur schwierig zu stoppen! Auch spontane Blutungen, z.B. aus der Nase sind möglich. Der Gerinnungswert muss also immer wieder kontrolliert werden. Diese Messungen führe ich selber durch und nehme eine immer wieder entsprechend angepasste Dosis an Marcumar ein.

Ich bin gerne bereit weiterführende Fragen zu beantworten, nicht nur die Technik betreffend. Dies kann im Gästebuch, das für alle Besucher sichtbar ist, geschehen oder in einer privaten e-mail. Mehr dazu ist auf meiner Kontaktseite zu finden.